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„Ausfall kaufkräftiger Fernreisender verändert Wiens Gastronomie bereits jetzt – internationale Krise eröffnet aber auch neue regionale Chancen“, so Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe.

Internationale Unsicherheit verändert derzeit nicht nur Märkte und Mobilität, sondern auch Wiens Gastronomie. Gastronomieexperte Franz Bernthaler sieht bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf Restaurants, Hotels und touristische Betriebe. Gleichzeitig eröffnen sich durch internationale Krisen neue Chancen für regionale Gastronomie und bewussteren Konsum.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wirken sich zunehmend auch auf Wiens Tourismus- und Gastronomiebetriebe aus. Vor allem der Rückgang internationaler Gäste aus Asien, Israel und dem Nahen Osten verändert derzeit Reiseverhalten, Konsumströme und die Dynamik der urbanen Gastronomie.

„Viele denken bei geopolitischen Krisen zuerst an Energiepreise oder Börsenkurse. In Wien sehen wir die Auswirkungen mittlerweile direkt bei internationalen Gästen, Reservierungen und Konsumverhalten“, erklärt Gastronomieexperte Bernthaler.

Besonders kaufkräftige Gäste bleiben aus

Wiener Tourismus- und Hotelbetriebe verzeichnen aktuell deutliche Rückgänge bei Gästen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel sowie asiatischen Märkten. Gerade diese Zielgruppen gelten traditionell als besonders ausgabenstark und spielen vor allem für urbane Premium-Gastronomie, Luxushotellerie und den Handel eine zentrale Rolle.

Laut Tourismus- und Branchenzahlen liegen die Tagesausgaben dieser Gästegruppen teils bei rund 500 Euro pro Person und damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

„Der Rückgang dieser Gäste trifft nicht nur Hotels, sondern vor allem auch Restaurants, Fine-Dining-Konzepte, Bars und den gehobenen Einzelhandel“, so Bernthaler. Besonders betroffen seien touristische Innenstadtlagen sowie Betriebe mit internationalem Publikum.

Viva la Mamma-Inhaber Michael Dvoracek beobachtet seit Wochen eine deutliche Veränderung bei seinem Publikum: „Gerade Mai und Juni zählen normalerweise zu den stärksten Monaten bei unseren arabischen Gästen. Diese Gästegruppen waren in den vergangenen Jahren ein ganz wichtiger Faktor für die Wiener Gastronomie, weil sie sehr gerne ausgehen, Restaurants besuchen und auch entsprechend konsumieren. Heuer merken wir aber deutlich, dass viele ausbleiben oder wesentlich kurzfristiger buchen. Gleichzeitig kommen langsam wieder mehr Einheimische und Gäste aus dem näheren Umfeld zurück. Das verändert natürlich die Stimmung, aber auch das Konsumverhalten in den Lokalen spürbar.“

Auch Erich Heindl, der seit 50 Jahren als Wirt tätig ist, sieht die Entwicklung mit Sorge, bleibt aber gleichzeitig optimistisch: „Der Wiener Gastronomie geht es derzeit noch gut – trotz des spürbaren Rückgangs asiatischer und arabischer Gäste beziehungsweise jener Touristen, die über Asien nach Österreich reisen. Noch können viele Betriebe das abfedern, doch die Situation bereitet zunehmend Sorge. Gleichzeitig kämpfen viele Gastronomen mit stark gestiegenen Personal- und Betriebskosten sowie starren Rahmenbedingungen, auf die man wirtschaftlich oft kaum kurzfristig reagieren kann.

Uns als Schmarren- und Palatschinkenkuchl geht es derzeit gut, weil wir seit jeher stark auf einheimische Gäste setzen. Zusätzlich bieten wir mit der Vorteilskarte Wien, günstigen Menüs und unserem klaren Schwerpunkt auf Wiener Küche, Schmarren und Palatschinken ein starkes Alleinstellungsmerkmal. Ich bin überzeugt, dass wir damit auch die nächsten 50 Jahre bestehen werden.“

Für Bernthaler bestätigt genau das den aktuellen Trend: Internationale Unsicherheit verändert nicht nur Fernreisen, sondern zunehmend auch Frequenz, Konsumverhalten und Gästestruktur in der Wiener Gastronomie.

Reiseverhalten verschiebt sich spürbar

Als internationale Tourismus- und Kongressstadt ist Wien stark von globaler Mobilität abhängig. Veränderungen im Flugverkehr, steigende Mobilitätskosten sowie zunehmende Unsicherheit bei Fernreisen wirken sich deshalb besonders rasch auf urbane Gastronomiebetriebe aus.

Zusätzlich steigen Energie-, Betriebs- und Personalkosten weiter an. Gleichzeitig beobachten viele Betriebe eine vorsichtigere Konsumstimmung bei internationalen Gästen.

„Internationale Krisen verändern oft zuerst das Reiseverhalten. Menschen planen kurzfristiger, vermeiden Fernreisen oder entscheiden sich bewusster für stabile und gut erreichbare Destinationen.“

Dadurch steige gleichzeitig die Bedeutung regionaler Angebote, kurzfristiger Städtereisen und authentischer Gastronomieerlebnisse. Wien könne dabei von seiner internationalen Reputation als stabile, sichere und kulturell attraktive Destination profitieren.

„Tourismus verschwindet nicht einfach – er verlagert sich. Genau darin liegt die Chance für die Gastronomie“, so Bernthaler.

Krise verändert Konsumverhalten – und stärkt Regionalität

Trotz der angespannten geopolitischen Lage sieht Bernthaler auch Entwicklungen, die der heimischen Gastronomie neue Chancen eröffnen könnten. Vor allem lokale Gastronomiebetriebe, regionale Konzepte und österreichische Kulinarik könnten dadurch wieder stärker in den Fokus rücken.

„Gerade in unsicheren Zeiten suchen Gäste verstärkt nach Verlässlichkeit, regionaler Identität und authentischen Erlebnissen. Genau darin könnte für Wiens Gastronomie eine große Chance liegen“, so der Gastro-Experte.

„Die Gastronomie war immer ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Die aktuelle Krise zeigt erneut, wie eng Tourismus, Konsum und internationale Stabilität heute miteinander verbunden sind“, so Franz Bernthaler abschließend.

​Bildmaterial finden Sie unter: Culinarius Fotoservice